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Digitalisierung kann Lehrkräfte unterstützen - wenn man sie richtig einsetzt

Quelle: (c) alho - istock.com

Vom 15.-16.11. fand in Berlin zum dritten Mal die Konferenz des Forums Bildung Digitalisierung statt. Sehr gut hatten die Veranstalter den Austausch zwischen den Schulen, die sich z.T. seit vielen Jahren auf den Weg der Digitalisierung gemacht haben, Schulträger, Lehrerfortbildung, Stiftungen, Unternehmen und Bildungsexperten organisiert. Neben vielen Workshops und Werkstattgesprächen beeindruckten mich vor allen Dingen die sehr guten Eröffnungsvorträge.

 

Während die Chance der Digitalisierung für Lernende oft im Fokus stehen, brach Prof. Dr. Andreas Schleicher, Direktor für Bildung und Kompetenzen der OECD am Freitag bei der Eröffnung des 2. Konferenztages eine Lanze für die Digitalisierung als Unterstützung für die Lehrenden. Weil Lernen ein sozialer Prozess ist, wird Technologie Lehrende niemals ersetzen. Der Einsatz von Technologie kann sie jedoch für ihre wichtigen pädagogischen Aufgaben freispielen, sie von administrativen Jobs entlasten und sie durch erhobene Daten dabei unterstützen, Lernschwächen und Lernstärken frühzeitig zu erkennen und die Lernangebote entsprechend auszurichten.

 

Die Reproduktion von Wissen ist nicht länger die Bildungswährung des 21. Jahrhunderts. Fachwissen kann Technologie besser speichern, vernetzen und so aufbereiten, dass die Informationen schnell und bedarfsgerecht gefunden werden. Was es braucht, um sich in einer Welt aus immer mehr Informationen zurecht zu finden, ist ein epistemisches Verständnis: Wie entwickelt sich das Narrativ einer Gesellschaft? Wie unterscheide ich zwischen naturwissenschaftlichen Erkenntnissen, die man verstehen kann, und Behauptungen, an die man glauben muss?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

OECD (2016), "Graph II.6.14 - Relationship between class size and student-teacher ratio", in PISA 2015 Results (Volume II): Policies and Practices for Successful Schools, PISA, OECD Publishing, Paris

Damit Lehrenden den Wandel vom Wissensvermittler zum Ermöglicher von Lernprozessen hinbekommen, braucht es eine geeignete Lehrerqualifizierung und mehr professionelle Autonomie für Lehrkräfte. Schleicher zeigt, dass es in Deutschland das Schüler-Lehrerverhältnis in der Sekundarstufe I etwas über dem OECD-Durchschnitt liegt, die Klassen jedoch relativ klein sind, was bedeutet, dass eine deutsche Lehrkraft deutlich mehr Stunden unterrichtet als z.B. eine Lehrkraft in Singapur oder Shanghai und damit weniger Zeit für die individuelle Förderung von Schülern sowie eigene Professionalisierung hat als den asiatischen Ländern. Glaubt man Hattie, so hat die Klassengröße so gut wie keinen Einfluss auf den Lernerfolg der Schülerinnen und Schüler. Ein Plädoyer also – gerade in Zeiten des immer problematischer werdenden Lehrermangels – für einen veränderten Einsatz der Ressourcen.

 

Schlachten wir die heilige Kuh „Klassengröße“ zugunsten von mehr Qualität des Lehrerhandelns?

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